Frühere berühmte „ZukunftsarbeiterInnen“ in Salzburg

Robert Jungk

Salzburg als eine Freizone der Phantasie
(Aus: Salzburger Nachrichten v. 25. Juli 1970 /mit freundlicher Unterstützung der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen )

„[…] Wollen wir menschlichere, lebendigere, produktivere Lebensumstände schaffen – und dies ist die große Aufgabe für die kommenden Jahrzehnte –, dann ist das Erfinden, Durchdenken und experimentelle Durchspielen möglicher, wünschbarer, humanerer Zukünfte von erstrangiger Bedeutung.
Wir sollten Werkstätten und Probebühnen schaffen, in denen die „Welt von morgen“ in ersten Strichen skizziert, kritisiert, in verbesserter Form modelliert, abermals diskutiert und derart auf vielfache Weise dargestellt werden könnte. Ohne Furcht vor Interessenbindungen, ohne Bindung an Routine und falsche Vorsichten, ohne jene ‚Vernünftigkeit’, die sich stets am schon Gewußten, schon Gekonnten ängstlich orientiert und so zur Unvernunft wird.
Man frage auf der Welt herum und wird herausfinden: gesucht wird ein Sanktuarium, in dem die Phantasie regiert, eine Freistatt des schöpferischen Geistes, ein Ort, an dem nicht Maschinen, sondern menschlichere Lebensumstände erfunden und vorgelebt werden, ein Asyl der Festlichkeit und Fröhlichkeit (das nicht als Exil verstanden werden sollte, sondern als Modell), eine Atmosphäre der Befreiung und Entfaltung, ein Versuchsgelände, auf dem Begabungen und neue menschlichere Situationen erprobt werden: ein Cape Kennedy der Ideenflüge.
Hat Salzburg Zukunft? Ja, wenn es etwas von diesen Sehnsüchten verwirklichen kann. Ja, wenn es aufhört, sich anzupassen und stattdessen unbestechlich bleibt in seinem Qualitätsanspruch an vergangene und künftige Schöpfungen. Ja, wenn nicht nur Künstler, sondern auch Verwalter und Ordnungshüter sich den Botschaften der Imagination öffnen. Ja, wenn wir die Zukunft nicht als Verlängerung einer schlechten Gegenwart, sondern als herrliche neue Aufgabe sehen.“