Virtual Mozart

By 4. September 2016Prophezeiung

So fernab sich die Wirklichkeit vom Jahre 2160 positioniert, schleicht sich ein Bote ein, der wohl schon innerhalb der nächsten Jahre die Grenze zwischen Fiktion und Realität verwischen könnte. Im Hinblick auf die Dauer eines Jahrhunderts, eventuell das gewohnte Stadtbild von Salzburg. Nur allzu schnell könnten die fremden Menschenmassen, die täglich von Schirmen geleitet durch die Historie der Mozartstadt schwärmen, Geschichte sein. Wie würde eine Stadt die doch so sehr vom Tourismus geschätzt, geformt und abhängig ist, ohne diesen sein? Diese Prophezeiung von einem leeren Salzburg, gründet nicht auf dem Wunsch, dieses von humaner Dichte zu befreien, sondern auf den Konsequenzen die technische Fortschritte wie “Virtual Reality” mit sich bringen könnten. “ Als virtuelle Realität, kurz VR, wird die Darstellung und gleichzeitige Wahrnehmung der Wirklichkeit und ihrer physikalischen Eigenschaften in einer in Echtzeit computergenerierten, interaktiven virtuellen Umgebung bezeichnet.” – (Wikipedia, 2016) Zunächst oft kritisiert, ist diese Technologie heutzutage nicht mehr wegzudenken in Bereichen wie dem virtuellen Training von Piloten, geologischer Studien, virtuellen Prototypen, oder auch der Rehabilitation von Patienten. Vor allem aber, im Kontext der Unterhaltungsindustrie wirkt diese, als bahnbrechende Innovation in Form von intensiver erlebten Videospielen, Parallelwelten und Charakteren. Nun trug das freizeitliche Reisen wohl schon immer zur Vergnügung und der Unterhaltung bei, unausgesprochen über Jahrhunderte den Wohlhabenden vorbehalten. Man stelle sich vor der Tourismus entdecke sie, die virtuelle Realität und Reisende müssten nicht mehr physisch vor Ort sein, kein teures Hotel mehr buchen, kein ergonomisches Schuhwerk mehr tragen, um ein realitätsgetreues Salzburg zu “erleben”. Man müsste auch nicht alleine illusionieren, denn Virtual Reality Services könnten unvergessliche, gemeinsame Erlebnisse bereitstellen. Nun würde der Reisende nicht mehr entscheiden müssen, ob er Mirabell im bunten Antlitz des Sommers, oder die Altstadt im Rausch der weihnachtlichen Entzückungen entdecke. Beides wäre in der selben Session möglich, abhängig vom individuell erstellten Reiseprogramms. Vielleicht möchte man ja auch nur abends ein Violinkonzert im Festspielhaus besuchen, dargeboten von Mozart live versteht sich. Die Reiseplanung spielte keine große Rolle mehr, denn das Erlebnis “Salzburg” wäre sozusagen transport- und gepäcksfrei, per Hop-on Hop-off nur dem freien Geiste vorbehalten. Aufkommende Reisekosten orientierten sich an den Dienstleistern, eventuell am Preis eines Kinobesuches, oder der in der Illusion verbrachten Dauer. Wohl kaum an der Entfernung, denn diese wäre nicht mehr relevant. Ein Reisen, unabhängig von Raum und Zeit. Auch wäre das reale Salzburg selbst, nicht mehr relevant für Ihre Außenwelt. Ihr Wert, Ihre Schönheit, und Geschichte – ihre Einzigartigkeit wären gestohlen. Ihre Landschaft, Gebäude und Einwohner blieben zurück als die Essenz, dem Erbe, der Seele dieser Stadt. Doch würden diese, ohne den Einfluss des Fremden bestehen und wirken können? Und würde das virtuell erschaffene Salzburg nur ein dokumentarisches Abbild sein, von einer Stadt die es real nicht mehr gäbe?

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