Steinziehers Sprechseil (Text zur Performance am 19.8.2016)

von A. Ohrenschall

Eure Steine, Eure, Eure Steine sind Bedeutung?
oder Euer Wasser das Gleichnis?
oder das Wasser Bedeutung
und die Steine des Sinns, der Sinne Gewicht?
Oder ist ein Stein des andren Steines Sinn,
ist ein Stein des andren Steines Form?
Und Wasser ein „die Sache selbst“ erwerden,
durchdringend der Dinge Geistesnetz ?– Nichts andres webt uns Zeit,
nichts andres will ins Ding Gewissheit flößen,
nichts andres will von der Unsterblichkeit dort einen Bissen
nichts andres webt uns Zeit als unsrer Dinge Deutungsgitter.

Zerreißen Ding und Sinn, dann öffnet sichs.
Dann reißt ein Schlund voll Güte an Euren Klammern.
Keine Kette, kein Stahlgerüst versperrt Euch so sehr,
keine Muräne verbeißt sich in Gewissheit
so wie unsre Furcht. Der Gewissheit böser Honig
überflutend hungrige Ikonen.
Das Schwere liegt doch beim Etwas-Heißen, Zugewiesenen, Zersinnten
und wie leicht in unsrer Hand liegt das Anfassbare ohne Nennung.

Entgegen, hinauf und drängend – 
wie ihr, wie ihr da – wie ihr hier
sei der Strom bezwungen, gänzlich überquert, vollkommen durchwandert
ohne ihn zu durchmessen – ohne Euch selbst durchzumessen.

Wohin Wohin Wohin?  Sagt es mir!
Du Gewässer aus schauenden Gehern, aus gehenden Schauern…
das Angeschaute fortspülend um kürzeste Strecken,
wie das Angeschaute Euch fortspült auf unendlichen Wegen.

Und wo wo wo sind Eure Worte? – wo seien sie gehoben,
aus dem Fluss des Gängigen? Zischt nicht dort ein Flämmlein zum Brüllen gezeugt? Rumort denn nicht dir der Magenzunge Hinaufgehauch?
Haucht es doch aus dies sterbende um sich schlagende Gangbare,
anschauungswürdigst ausgerüstetes Wortgesäck.
Hauchts aus..
Wo ist Euer versunkenes, versenktes bleiweiches feuersehnendes Sagen?

Ey ich sags dir so – und so- und so
zweimal der ProphetInnen-Losung
für sie und ihn gesondert,
Sonderkarren durch Zeilenflure ächzend empor

Für Euch, für Eure steinschweren uneigenen
Sprechgebirge unter immergleichen Gipfeln…
zu heben also zu heben also – all so –
wie Möwenschwarm aus Löwendarm
erschwinge sich Dein Sagen über das Künftige dieser Stadt

wie Möwenschwarm aus Löwendarm
erschwinge sich Dein Sagen über das Künftige dieses Landes

wie Möwenschwarm aus Löwendarm
erschwinge sich Dein Sagen über das Künftige der Welt

Sage Du dem Lande, unsrem kunftgebeutelten Erwartungskämmerlein
Löse Löse Löse sie – Die Möwenstube aus der Löwengrube und
aus Stuben das – wirklich ich sags Dir – das Weisteste in Zeit und Ding es ist der Rost
aus Stuben endlich löse ihren Schraubenrost, Schraubenrost
lechzend nach Licht dem eigenen Gewinde dann entsteigen kann..
lechzend nach Licht dem eigenen Gewinde dann entsteigen kann..
Schraubenrost Prophetenkost

Aber zurück zur Losung –
erdichteter Schlüsselreiz aller 
ungefragten Rufer:

Prophet wird einer.
Wenn er ausweicht.
In stillläutendem Augenraum.
Streicht über einen Saum.
Der Klippen gleicht.
Und nicht Sturz, sondern Flug.
Scheint ein erster Schritt zu schenken.
Wie schnaubend scharrende Pferde.
Vor ihm wartend.
Wohin er sie wohl lenke.
Stehen Tore selbsterrichtet.
Hindurchgesprochen.
Ruft dieser stillläutende Augenraum.
Weiter.
Weiter.
Bis er sich erlebt.

Prophetin wird eine.
Wenn sie ausweicht.
In stillläutendem Augenraum.
Streicht über ihren Saum.
Der Klippen gleicht.
Und nicht Sturz, sondern Flug.
Scheint ein erster Schritt zu schenken.
Wie schnaubend scharrende Pferde.
Vor ihr wartend.
Wohin sie sie wohl lenke.
Stehen Tore selbsterrichtet.
Hindurchgesprochen.
Ruft dieser stillläutende Augenraum.
Weiter.
Weiter.
Bis sie sich erlebt.

Und wir ziehen fort, dem Fluss ist das ganz egal
und weil wir das am Ufer dösend wissen
müssen wir ein großes Zeichen hissen
an Stangen, die uns aus dem Rücken wachsen.

Aufrecht ziehen und ziehen und ziehen

langgedrehte Seile aus winzigen Poren gähnend
ziehen das Ding von seinem Namen weg,
der Fluss, wenn er könnte, alle Namen hasst,–
zieht also alle Namen weg von allem, was ihr kennt
schüttet die Dinge unbenannt zurück in die Zukunft Eurer Sprache….

schüttet die Dinge unbenannt zurück in die Zukunft Eurer Sprache….
schüttet die Dinge unbenannt zurück in die Zukunft Eurer Sprache….

Intermezzo: Ezechiel

Bild, Du – bist kein Ort
bist verstrickter Schreckenszügel –
auf dem Rücken Deiner Sterblichkeit.
Bild Du, zwingst in Überwindung
und Windungen aller Zeiten uns –
Meister über unendliche Verendlichkeit
an dir du Bild ungefühlte Offensichtlichkeit.

Bild Du Vergessensteig – keine Schmerzen mehr und keine Schuld –
willst Du uns das sagen, Ezechiel?

Oder alles sagen, was in Todesfurcht entweicht aus dem Entsetzen,
das wir verwürgen jeden Tag.

weil DU uns sprichst auf zerkauter Schrift von diesem letzten erlaubten in Speichel erzeigtem Zeigen. Weil wir nun essen sollen dein Gesprochenes. Weil wir nun selbst erbrechen sollen unser Zeigesiegel.

Zum Trost zum Trost zum Trost erfandest Du, oh Ezechiel, uns Kunst aller Tröstungen hochmütigste Du…

 

Coda vom Kauen

Morgen immer noch, in Zukunft immer noch i sags eich immer immer Normen, Normen mit Geschmacksnote, G‘fühl  oder  oder  oder –

Normen schlürfst eini ins Hirn und weißt nicht was geschehen wird
du willst aber, dass dein Wille geschehe
ohne Normenverstoß – auf das du nicht verstoßen wirst.

Und kaust die Normen und kaust, Hirnkauen bis der Gefühlsgeschmack weg ist – runtergeschluckt –

Hauptsach‘ immer kauen, kauen , das Kauen kämpft um einen Willen, bis er kein Ziel mehr hat außer die Willensbreitschaft – geschwollener Willenskamm als übersprung-Ursprung der ungetanen Tat…

Und dann und dann die andren Hirn- und Herzenskauer schmatzend, exaltiert oder verstohlen in schlafloser Nacht – und schließlich die Welt hörst kauen, und die, die keine Zeit haben, die nur noch schreien vor Angst vor denen, die nicht mehr hirnkauen, sondern gemacht haben und machen und andren Normkaustückerln injizieren mit Angstgeschmack, aber keinen Raum zu kauen geben…
Und all das sehen die Kauenden, Erwähltheit zu den Kauenden gehören zu dürfen…

Bis der Ruf herausgestemmt, wenigsten vermutliche Willensentwicklung, Kauentwicklung beim Zusammentreffen der nicht kauenden Willensverwirklicher auf die Willensposenzeiger verkündet
und zum Helden der Mahnung wird,

zum Helden, der für alle kaut,für a l l e kaut
Hirnhaut und die speicheldurchtränkte Normstückerln
wie Bauklötzerln stapelt, einiwirft in den Rachen und die Aromata nicht schluckt

Nein in Rufe mit Bildaroma, Schildaroma stürzt, stürzt und alle die ihn hören
hinterher.
Der „Werde Ruf“-geheldet, Heros der Furcht –

aber die Furcht ganz zerhofft..

Und Gefühlsgeschmacksgekautes
wieder die Quellen färbt…