ProphetInnen-Waschung, Sermon
(Zur Performance am 26.6.2016, Residenzbrunnen)

ProphetenWaschung – Performancetext

Außen:
Spricht nun jemand,- findet sich jemand,- finden sich welche, die da sprechen?

Innen:
Noch suchen wir nach denen, die aus heißen Silben atmen,
die im Werdenden vor der Zeit erglühen.

Außen:
Was lenkt des inneren Sehens Feuer weg vom Bade der Vereinigung
aus Wort und Zeit, aus Zeit und Sinn?

Innen:
Sage ich Widerwillen , treff ichs und treffs wieder nicht,
sage ich, der Vorsätzlichkeiten Aura entfärbt das versprochne freie Spiel vor denen,
die da sprechen wollten, dann meint das zuletzt, Furcht hielt’ sie ab,
doch so dringe ich ins Ungestattete zu weit.

Außen:
Wie können wir ihr Wort gewinnen?
Wie können wir ihre Gier entfachen,
dem Künftigen dieser Stadt, dieses Landes und der Welt
ihr Wort zu schenken,
wie können wir Freiheit entfesseln, dem Bild der Zukunft gestaltend
ihr Wort zu widmen.

Innen:
wir sinds zufrieden, wenn selbst nur eine spricht an einem Tag.

Wenn jemand bereit ist, weiszusagen:

Innen:
Es ist jemand gekommen, um über das Künftige zu sprechen.

Außen:
Es ist jemand gekommen über das Künftige zu sprechen –
senkt Eure Stimme und hört wie Mahnung oder Hoffnung
im Hören zur Tat sich wandeln.

Nach einer Weissagung:

Erleichtert das Becken Euch nicht die Rede mit zum Himmel geneigtem Haupt?
wo sonst als bei den MeisterInnen aller Haare Ströme Eures Sprechens,
ja lästigst und ungebremst eurer zähen Tage Brei sich ergießen
– bis in alle Ritzen und Nähte der Kittel und Scheren dieser geplagten HörerInnen…

Jetzt aber jetzt seien eure Gedanken das lustvollste Walken.
Von innen an der Haut des Kopfes,
wohlig wie beim Waschen der Haare
nun gewaschen vom Taumel ungezählter Zukunftswege.

Süßesten Wein aus Weisgesagtem und kreisenden Wassern,
braut ihn heut und morgen in der Erde, um in die Kehlen Betender
Mut zu schwemmen,
Mut, Hände in das Künftige zu tauchen.