Promo-Prophecy

Siegfried Pichler,

Präsident der Arbeiterkammer (AK) Salzburg

Prophezeiung 2023 und 2160
(Salzburg, Oktober 2016)

Geboren 1952 in Saalfelden

  • Seit 1. Juli 2003 Präsident der Arbeiterkammer Salzburg
  • Seit 27. November 2004 Vorsitzender der ÖGB Landesorganisation Salzburg
  • Seit 2007 Mitglied im ÖGB-Bundesvorstand.

Prophezeiung 2023

Blickt man auf den europäischen Arbeitsmarkt, überwiegt bei einer Prophezeiung über die Zukunft der Arbeit im naheliegenden Jahr 2023 Negatives. Das soll nicht bedeuten, dass ich in den Kanon jener einstimmen möchte, die den österreichischen und europäischen Standort immer nur schlecht reden und für alle Lebensbereiche – und hier vor allem für die ökonomischen – Untergangsszenarien zeichnen. Trotzdem sehe ich die Zukunft der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen in den nächsten sieben Jahren sehr kritisch: Ich prophezeie hier vor allem eine weitere Ausweitung der prekären Beschäftigungsverhältnisse mit fatalen Folgen für die Beschäftigten, den Wohlfahrtsstaat und die Alterssicherung. Ich sehe auch einen weiteren Druck in Richtung Steuererleichterung für das Kapital bei gleichzeitig immer geringerem Spielraum für faire Lohnabschlüsse. Ich sehe auch neue Arbeitsformen, die Innovation und Fortschritt suggerieren, aber hauptsächlich zum Ziel haben, aus den hart erkämpften Regulierungsrahmen auszubrechen. Ich sehe in der nahen Zukunft des Weiteren große ökologische Verwerfungen, die soziale Konflikte noch weiter verstärken anstatt sie zu lösen. Diese Entwicklungen werden das bereits vorherrschende Gefühl der Unsicherheit und des Vertrauensverlustes in politische Lösungskompetenzen weiter verstärken. Daher sehe ich vor allem immer mehr mit rechtspopulistischer Ideologie angereicherte neoliberale Denk- und Verhaltensweisen, wie die Zerstörung des Kollektiven und der Solidarität. Das müsste aber alles nicht so kommen, wenn die politischen Verantwortlichen in den Nationalstaaten und vor allem in der EU endlich umdenken und die richtigen politischen Maßnahmen setzen. Schließlich ist diese Entwicklung kein Naturgesetz, sondern ist von Menschen so gestaltet.

Prophezeiung 2160

Viele Prophezeiungen und Weissagungen über die Zukunft der Menschheit im Allgemeinen und der Arbeit im Speziellen werfen oft technozentrierte und Sciencefiction geprägte dystopische Bilder auf: Bildlich dargestellt hetzen dann die einen Menschen als moderne Arbeitsbienen auf selbstgesteuerten Hyper-Speed getriebenen Transportmitteln in die modernen Arbeitsstätten, während die anderen ausgestattet mit Datenbrillen in virtuelle Räume der Arbeitswelt abtauchen: Hier muten dann die uns bekannten Grenzen und Regelungen von Arbeit wie ein Relikt aus prähistorischer Zeit an. Mir hingegen schweben keine solchen Bilder vor, sondern eine neue Form des globalen gesellschaftlichen Zusammenlebens, das von einer fairen Verteilung von Wohlstand und gutem Leben geprägt ist. Denn, ob ich jetzt 1500 zurück oder eben 150 Jahre nach vorne denke, so finde ich beim Großteil der Menschheit immer dieselben Wünsche wieder: Frieden, gleichverteilter Wohlstand, Freiheit und sozialer Zusammenhalt. Es gibt keine Herrschaft mehr von Menschen über Menschen, sondern nur mehr Herrschaft von Menschen für Menschen. Die Basis meiner Utopie des Jahres 2160 ist deshalb, dass die Demokratie als Herrschaftsform auf der ganzen Welt gesiegt hat: Die Menschen haben sich die Gestaltbarkeit der Gesellschaft durch die Politik von den ökomischen Sachzwang- und Selbstzwecklogiken zurück erkämpft. In Bezug auf das Thema Arbeit bin ich davon überzeugt, dass „Arbeiten“ und „Tätig sein“ auch in 150 Jahren ein alle Gesellschaften vereinendes Verhalten sein wird. Der große Unterschied wird sein, dass wir aber dann in einem Verein freier Menschen leben, wo die neuen technologischen Errungenschaften und Möglichkeiten nicht zum Reichtum weniger und zur Verarmung der anderen werden. Ganz im Gegenteil: Die Innovationen ermöglichen uns weniger lästige und eintönige und entfremdete Arbeit zu verrichten und die endlich wirksam gegen die globale Ungleichheit und sowie gegen längst beseitig bare Geißeln der Menschheit vorzugehen – wie Hunger, Armut, Krankheiten und Seuchen. In dieser utopischen Gesellschaft wird es auch die unterschiedlichsten Jobs und Tätigkeiten geben. Die Befriedigung der essentiellen Bedürfnisse wird deutlich weniger Zeit in Anspruch nehmen. So bleibt mehr Zeit, das zu machen was er oder sie kann und will und nicht das, was man muss. Gesellschaftliche notwendige Arbeit wird unter allen fair aufgeteilt.

Marko Dinić

Das widersprüchliche Spiel vom Ende, wie wir es nie kannten. Eine Idylle
(Salzburg, August 2016)

Geboren 1988 in Wien, lebt in Salzburg.

  • Autor des Ingeborg Bachmann Wettbewerbs 2016
  • Stadtschreiber von Schwaz (2016)
  • Stadtschreiber in Pfaffenhofen, -Startstipendium für Literatur des Bundeskanzleramtes (2015)
  • Artist-in-Residence-Stipendium der Stadt Brünn/Brno (2014)
  • 3. Preis beim Exil-Literaturpreis (2013)

Denn wahrlich, ich sage euch, die letzten Tage könnt ihr am Knacken gebrochener Rippen- und Fingerknochen zählen, wenn diejenigen die Daumenschrauben anziehen, die seit jeher die Daumenschrauben in ihren Händen hielten. Und wer behauptet, die Zukunft schaue nicht so düster aus, gehört zu denjenigen, die jeder anständige Mensch anspucken und mit Exkrementen bewerfen müsste. Denn waren nicht in früheren Zeiten die Beschwichtiger die wahren Herrscher dieser Erde? Macht euch keine Sorgen, liebste Brüder, wenn wir mal an der Reihe sind, werden die Rache groß und unsere Bäuche voll sein: eure Ernten verbrannt, eure Kinder vergewaltigt, eure Städte wie Standarten der Schlachthäuser von gestern, eure Bibliotheken – wie sollte es anders sein – verbrannt, das Viech aus den Ställen gelockt, in Züge gepfercht, hinaus zu den Lagern, wo sie liegen, wie Lieder einer einst besessenen Freiheit, dicht beieinander, dicht auf- und neben einander, und gar nicht mehr so schwer, denn der Tod ist ein Meister, der eure Münder verödet, immer und überall.

Derjenige, der ohne Hintergedanken die Welt in ihren Festen zu erschüttern vermag, möge die erste Hülse werfen, Schrapnellstücke aus zersiebten Leichen pulen und die Finger an den Balken blutig schaben. Fordert, was eures ist, also die rückhaltlose Knechtschaft derer, die keine Namen tragen dürfen, euch zum Zeitvertreib dienen, wenn mal wieder Langeweile sich in euren Augen wie brennende Irrenhäuser spiegelt. Und dann der Duft der ersten Nachsommerernte, der eure Nüstern sanft bezetert, die Perfidie eines Gedanken, der zur Onanie anregt, zum genussvollen Erguss über zerschundenen Leibern und getrocknetem Blut – das geile Fleisch und die Eingeweide wie die Vorboten einer Katharsis oder eines schlechten Klischees. Fordert, Brüder und Brüder – denn das Weibische, das wir mehr verachten als den Klang der frühen Wörter, darf nie wieder dieser Erde walten – fordert das Manische, das Perverse und Durchlauchte, die tiefste Verbeugung vor dem großen Schwanz, dem Absolutpatriarchat. Alles vermag der Körper im Exzess zu vergessen: die Mutter, den Vater, den Sohn, die Tochter, die Heimat, das vertraute Wippen der Ähren im Nachmittagswind eines schwülen Tages, die Verletzlichkeit des eigenen Körpers, den gevierteilten Gott, oder die vielen glücklichen Gesichter auf dem Familienfoto, aufgenommen am 24. März 2016 in Salzburg, als sich gerade so etwas wie Menschlichkeit aus der Welt zu schälen traute und jäh vor unseren Augen verblasste. Wo sind die Städte hin und wo die Dörfer? Wo die Kinderlaute und die Stimmen der Frauen, von denen die Väter nur in Stunden äußerster Wehmut sich zu sprechen getrauen? Und wer hat die Welt getötet?

Einst – so erzählen es die Alten – verloren die Vögel ihre Orientierung, fielen kerzengerade auf die Erde und verwandelten die einst grünen Felder in triste Litanei. Die frühen Wörter fingen daraufhin an, auszusterben. Zuerst starb die Sorge, dann das Recht, dann die Lust und so weiter. Als letztes starb die Menschlichkeit. Als die Frauen das rechtzeitig erkannten, bauten sie heimlich den großen Wagen, der sie außerhalb unserer Reichweite, weit in die Hemisphären schoss. Dort weilen sie auch heute noch, wartend auf die letzte Tochter oben und den letzten Sohn hier unten, denn diese werden eines Tages wieder die ersten sein, namen- und geschichtslos, naiv und rein wie das Blöken eines jungen Schafes.

Tomas Friedmann, Literaturhaus Salzburg

2023 und 2160, Umgang mit Jubiläen
(Salzburg, 22.8.2016)

Tomas Friedmann, eigentlich Thomas F. (* 8. November 1961 in Linz, Oberösterreich), kam 1983 nachSalzburg. Er lebt und arbeitet hier seit 1993 als Leiter und Geschäftsführer des Literaturhauses Salzburg sowie von 2007 bis 2015 als Vorsitzender des Dachverbandes Salzburger Kulturstätten. 2011 wird er unter die 100 „Salzburger des Jahres“ gewählt. Seit 2013 ist sitzt er als gewählter Vertreter Österreichs im dreiköpfigen Vorstand des Netzwerks der Literaturhäuser „Literaturhaus.net“ (Deutschland,Österreich, Schweiz). Außerdem regte er die Vernetzung der österreichischen Häuser der Literatur (ÖHL) an, engagiert sich für das Netzwerk der europäischen Literaturhäuser, u.a. in Oslo, London und Rumänien, verfasst Artikel und Essays und arbeitet als Moderator und Herausgeber. (Aus Salzburg Wiki)

Am Residenzplatz wird am Sonntag, dem 30. April 2023, der Bücherverbrennung vor 85 Jahren gedacht. Einige in Salzburg würden sich 2023 am liebsten in den A(allerwertesten) beißen, weil sich Salzburg nicht vor fünf Jahren um den Titel der “Europäischen Kulturhauptstadt 2024” beworben hat. Und das Literaturhaus wird im Herbst 2023 seinen 32. Geburtstag feiern – als immer noch bestbesuchtes Literaturhaus in ganz Österreich … Ich freue mich darauf!

Ach ja, 2160. Da wird man in Salzburg nicht mehr über Baustellen und Auto-Staus streiten, weil die Innenstadt längst als Mozart-Showtown (immerhin hatte das Genie vor 4 Jahren seinen 404. Geburtstag) unter Öko-Schutz steht und nur an manchen Übergangsstellen gegen Eintritt betreten werden darf … Niemand wird daran denken, dass in sechs Jahren, des Streits zwischen dem Salzburger Erzbischof und Kaiser Friedrich Barbarossa von 1000 Jahren (also 1166) gedacht werden soll, in dessen Folge die Stadt niedergebrannt und zerstört worden war. Und bei den Festspielen wird anlässlich des 240. Geburtstags der “Jedermann” wieder ins Programm genommen …

Dr. Rainer Buland

Prophezeiung für die „schöne Stadt“ Salzburg

(Salzburg, September 2016)

Leiter des Instituts für Spielforschung an der Universität Mozarteum

Obmann der Grünen Bildungswerkstatt Salzburg

An die Einwohnerinnen und Einwohner der „schönen Stadt“ Salzburg und aller Länder der Ersten Welt und an alle, die jener Minderheit angehören, die sinnerfassend Deutsch lesen können:

Ihr seid eine Minderheit und Eure Enkelkinder werden eine verschwindende Minderheit bilden, aber dennoch verfügt Ihr über großen Einfluss und könnt für den einzig wahren Gott kämpfen, die Liebe. Die Liebe ist allumfassend und umfasst also auch alle Religionen. Die Liebe ist dem Leben zugewandt, dem eigenen, dem unserer Nächsten, dem unserer Fernsten und dem Leben derer, die nach uns kommen werden.

 

Der große, alles verschlingende Götze ist das Geld. Ihm laufen so viele nach. Blind sind sie. Sie sehen nicht, was sie dabei alles zerstören. Sie sehen nicht, wie sie in blindem Eifer sich selbst zu hassen beginnen, dann ihre Nächsten und ihre Fernsten und zuletzt auf diejenigen vergessen, die nach uns kommen werden. Für ihren Götzen verschwenden sie die Zukunft aller. Der große Kampf hat begonnen. Der große Götze ist verführerisch.

Wahrlich ich sage Euch: Der große Götze ist gierig, er will immer mehr und mehr. Er ist niemals zufrieden. Indem Ihr dem Götzen dient, richtet Ihr Eure Welt zugrunde.

Wenn Ihr nicht umkehrt, werdet Ihr verbrennen. Wie angezündet vom Erzengel mit dem großen Flammenschwert wird Euer Land verbrennen. Dann werden Eure Flüsse versiegen und Euer Land wird unfruchtbar.

Der Götze hat viele Gesichter. Hier die Gesichte, wie sie mir offenbar wurden:

Wenn Ihr weiter mit derselben Gier den Boden verbraucht, wenn Ihr die lebendige Erde mit totem Beton versiegelt, dann werden Eure Kinder einmal mit den Fingernägeln den Beton aufreißen, damit sie noch ein Stückchen Erde finden, wo sie ein paar Kartoffeln anbauen können. Und die „schöne Stadt“ wird kein lebenswerter Ort mehr sein, sondern eine Ruine in einer Steinwüste.

 

Von welcher Gier spreche ich? Von der Gier nach immer mehr Wohnraum. Viele haben bereits so viel Raum, dass sie diesen nicht mehr bewohnen können und dennoch horten sie mehr, gar nicht, weil sie darin wohnen wollen, sondern weil der Raum selbst ihrem Götzen dient, dem Geld. Er frisst Wohnraum und wird dadurch noch feister.

Die Gier nach Geschwindigkeit. So schnell als möglich und jederzeit von einer Türe zur anderen zu fahren.

Die Gier nach Auswahl. Ein Geschäft um die Ecke, mit einem kleinen Sortiment, reicht nicht aus für die ausufernde Gier. Alles soll jederzeit griffbereit zur Verfügung stehen. Dafür seid Ihr bereit so vieles zu opfern. Und was gewinnt Ihr dabei? Was gewinnt Ihr?

Dann kommen die Kombinationen! Geschwindigkeit kombiniert mit Gier wird in den Konsumtempeln zelebriert. Ihr habt diese Tempel nicht in den Stadt- und Ortszentren gebaut, weil sie dort neben Euren Kirchen zu dem verblassen würden, was sie sind, nämlich Orte einer aufgeblasenen Scheinwelt. Götzen-Dienst-Tempel. Nein, Ihr habt für sie grüne, saftige Wiesen am Rande Eurer Wohnorte platt gemacht, damit nichts den Götzen-Dienst stören möge. Eure Kinder, die dort nie eine Blume haben blühen sehen, glauben heute schon, es sei normal, es sei schon immer so gewesen. Der Götzen-Tempel ist bequem zu erreichen, er ist fast jederzeit geöffnet und in seinem großen Maul verschwindet Euer Obulus. Für alles müsst ihr zahlen, sogar für das Verweilen.

Das Blendwerk ist leicht zu durchschauen: Geht einmal ohne Obulus in der Tasche, ohne Geld in den Tempel. Es wird Euch die Augen öffnen. Ihr seid plötzlich fremd in einer Scheinwelt. Ihr habt nicht mehr Anteil, bekommt keine Nahrung für den Hunger, dürft nicht einmal betteln und wenn der Schlaf Euch überkommt, dürft Ihr Euch nicht hinlegen zu einem Nickerchen, wie unter der Linde am Dorfplatz.

Und Eure Energie-Gier! Glaubt nicht Ihr könnt ungestraft Eurer Energie-Gier frönen und ungehemmt die zu Stein gewordenen Wälder der Vergangenheit verheizen. Dann werden zuerst Eure Wälder verbrennen, dann Eure Felder und zuletzt Ihr selbst.

Wenn Ihr glaubt, Ihr könnt weiter mir Euren Explosionsmotor-Droschken ungehindert in den Städten herumrattern, dann wird Eure schöne Stadt zu einem gesundheitsgefährdenden Park- und Stauplatz und Eure Kinder werden vom Keuchhusten wie die Fliegen hinweggerafft werden.

Wenn Ihr glaubt, Ihr könnt Eure Droschken  unbegrenzt füttern, dann überseht Ihr in Eurer Gier, wen vor allem Ihr dabei fett macht: Die Superreichen und die Wohl-Gefütterten aus den Wüstengebieten. Sie werden letztlich alle kommen und alles, was bei Euch schön ist, kaufen. Sie werden die Grundstücke und Häuser und Wohnungen in den schönsten Gegenden kaufen und Eure Kinder werden keinen Ort mehr haben, an dem sie Ihr Haupt in Ruhe betten können. Sie werden ihre Besitzungen umzäunen, verschließen, verbergen, verstecken und Eure Kinder werden mit fast nichts auskommen müssen.

Zudem hat Eure Gier furchtbare Auswirkungen in anderen Teilen der Welt. Diese Menschen machen sich auf und kommen zu Euch. Niemand wird sie stoppen können. Sie werden immer mehr und mehr wie das Meer, das steigt und steigt. Dann werden neue Städte gebaut werden müssen, aber keine schöne Stadt, sondern Städte wie eine Notdurft.

Wahrlich ich sage Euch, Ihr müsst Eure Gier zügeln und in Schranken weisen, oder es wird nichts mehr sein.

Das sage ich und schreibe ich Euch an meinem Geburtstag, dem 25.September 2016, der Stadt und der Welt als Mahnung zur Umkehr.