AO Chronolaxie

Eine kleine mögliche Revolution:

„Prophescene 2160“ schafft einen neuen Raum. In ihm können Gefühl und angewandte Kenntnisse beim Wegsprengen aller Kontrollventile mannigfaltigste Welten erzeugen, deren jede Wert und Bedeutung besitzt. Als in das Künftige gerichtet zieht sie das im Gegenwärtigen freigesetzte Wort hinüber zur erlebten Gleichzeitigkeit aus Bewältigung und Schöpfung.

Warum?

Wir sprechen in einem Gebäude und dort in unterschiedlichen Räumen. Verbunden durch regelbare Lautsprecher, Türen oder Fenster, um die Mimik Redender ohne oder mit Ton betrachten zu können. Andere sind schalldicht und nicht von außen einsehbar. Und dann gibt es natürlich solche größeren Ausmaßes bis hin zu etwas, das als Halle bezeichnet werden darf. Der Plan und seine Funktionszuweisungen dieses Sprechhauses haben sich in den Zeiten mal stark ausdifferenziert, mal nur aus einer einzigen Einheit bestanden. Trennungen in öffentliche, Achtung der privaten sowie eine professionalisierte Sphäre der Durchdringung beider brachte ethisch und theatral legitimierte Spieler in letzterer hervor. Bisweilen gibt es natürlich Diskurszimmer, in denen Grundrisse modifiziert und mitunter radikal vereinfacht werden.

Entäußerungen sind wohlgeordnet in Reden vor vielen, vor Gruppen, in Dialogen – öffentlich oder privat – inszeniert oder intuitv, agressiv, kunstvoll oder nur gemessen beliebig. Für das Selbstgespräch ist kein Raum vorgesehen, da es überall stattfinden zu können scheint, und wenn doch, dann als ins Öffentliche eingebettete Form gestalteten Nachdenkens oder zu therapeutischen Zwecken.

Stets sind wir bedacht, dass allzu persönliches und weltgültiges Sprechen einander nicht berühren, außer es wird für ein rhethorisches Stilmittel befunden.

Daher noch einmal:

„Prophescene 2160“ schafft hier einen neuen Raum für ein entfesseltes und zu respektierendes Selbstgespräch. In ihm können Gefühl und angewandte Kenntnisse beim Wegsprengen aller Kontrollventile mannigfaltigste Welten erzeugen, deren jede Wert und Bedeutung besitzt. Als in das Künftige gerichtet zieht sie das im Gegenwärtigen freigesetzte Wort hinüber zur erlebten Gleichzeitigkeit aus Bewältigung und Schöpfung. Und das alles ohne Rücksichtnahmen einzulösen oder bedenkliche Konsequenzen tragen zu müssen. Denn es handelt sich ja um ein noch unvermessenes Terrain des Agierens mit allen Arten des Sprechens und jenseits gewachsener Grenzen.

Prophetie – Entscheidungsgesang versus Divinatorik

„Was ist zu tun?“, fragen wir mit leichtem Drang, Gehör zu finden bei einer weisenden Instanz. „Was tun?“, fragen wir zuvor zwischen Aufschrei oder schüchterner Verzweiflung. Leichthin gesetzte Striche, unwillkürlich erspähte Ziele, kurz beschiedene Verweigerung – alles Entscheidungen für gestaltende bis grenzende Handlungen, denen kaum ein Bild von dem vorausging, was uns ins durch Tat Geschehene spülte. Doch wenn der Ausruf „was ist zu tun?“ einen in grübelnde Starre stößt, wird Entscheidung ein eigenes mysteriöses Reich aus Gefühlsklippen, geplanten Spielen oder jenem Punkt, ab dem Bewegung zu Bewegung wird. ProphetInnen schreiten dieses Reich aus. Die Unendlichkeit des Inneren erfüllt sich in Ihnen, weil sie die dort zerknetete wie eine neue Welt nach außen stülpen. Nie weiß man, ist der Stein, der Mörtel oder die Form der Einzelseele Ausdruck – und erfreuen uns am Bau einst gewagten Sagens, Ragens, statt endlich alle das große Sagen sagen zu lassen, ohne uns gleich Atem und Platz zu nehmen.